Süddeutsches-Kartell

Eine Studentenverbindung an sechs Hochschulen

Gothia Königsberg zu Göttingen

Geschichte

Die Gothen sind ein alter germanischer Volksstamm, der zunächst in Südschweden und dem Bereich um Danzig beheimatet war, später im Rahmen der Völkerwanderung aber bis zum Schwarzen Meer, nach Italien und Spanien weiterzog. Die Namen von germanischen Völkerstämmen sind häufig Namensgeber für Burschenschaften. In der Albertina wie die Königsberger Studentenschaft bis 1845 hieß, taucht solch ein „burschenschaftliches Kränzchen“ (wie man einen losen Zusammenschluss von Studenten in Königsberg nannte) Gothia in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts auf. Es trug die Farben blau-gold. Ob sich unsere Gothia auch auf dieses Kränzchen zurückführen lässt, ist geschichtlich nicht geklärt und eher unwahrscheinlich.

Letztes Überbleibsel der Albertina war das Kränzchen Germania, das sich 1843 als Burschenschaft verselbständigte. Germania gelangte schnell zu Ansehen und Stärke, musste sich aber den Corps- Landsmannschaften und anderer Verbindungen erwehren. So gründete sich aus der Mitte Germanias heraus 1854 eine zweite Burschenschaft, eben unsere Gothia.

Am 19.November 1854 traten Mitglieder, darunter ein Senior, aus der Germania aus und machten mit drei hinzugetretenen Mulis am 22.November 1854 die Burschenschaft Gothia auf mit den Farben "schwarz-gold-blau".

Farben der Burschenschaft Gothia

Fuchsenfarben hat die Gothia, wie die meisten alten Burschenschaften, nie gehabt. Da auch 1854 in Preußen das Führen des burschenschaftlichen Wahlspruchs Ehre, Freiheit, Vaterland noch immer als Provokation gesehen wurde, verwendete Gothia ihre Devise FREI IST DER BURSCH wie einen Wahlspruch und versteckte Ehre, Freiheit, Vaterland in Abkürzungen im Zirkel, der wie Name, Farben und Wappen seit der Gründung unverändert ist. Zeitweilig hat  Gothia das Lebensprinzip gehabt, duldete also keine zusätzlichen Mitgliedschaften zu anderen Verbindungen. Schon vor Gothias Beitritt zum Süddeutschen Kartell (SK)  wurde das Lebensprinzip aufgegeben; im Rahmen des SK gibt es zahlreiche Doppelmitgliedschaften.

Wappen der Burschenschaft Gothia

Was die Kartellverhältnisse der Gothia anbelangt, so trat sie mit ihrer Gründung zu der Germania in ein nahes Freundschaftsverhältnis, das in einem engen Kartell, Verbot des Paukens miteinander und gemeinschaftlichen Versammlungen Ausdruck fand. Dieses enge Kartell dauerte bis 1857, wo den Germanen Paukkartell angeboten und auch von ihnen angenommen wurde. Im Jahre 1857 schloss die Gothia ein Kartell mit der Bonner Burschenschaft Teutonia und der Landsmannschaft Torgovia (später Teutonia) in Halle, zu denen sich noch 1858 die Landsmannschaft Dresdensia in Leipzig gesellte. Dieses Kartell war aber von keiner langen Dauer: SS 1862 trat die Dresdensia aus dem Kartellverbande aus, nachdem sie vorher Burschenschaft geworden war, während das Kartell mit den Bonner und Hallenser Teutonen bis 1865 bestand. Dem ersten burschenschaftlichen Zusammenschluss EDC (Eisenacher Deputierten Convent) gehörte Gothia nicht an, trat aber 1885 dem ADC (Allgemeiner Deputierten Convent; ab 1902 „Deutsche Burschenschaft“) bei.

Am 1.März 1924 wurde Gothia ins 1861 gegründete Süddeutsche Kartell (SK) aufgenommen. Diesem Zusammenschluss, der sich als eine Burschenschaft an sechs Hochschulen versteht, gehört Gothia auch heute noch an. 

Das Bild zeigt das Gothenhaus in Königsberg. Es ist eines der wenigen Korporationshäuser die in Königsberg erhalten blieben. Heute beherbergt es eine Zahnarztklinik mit jährlich ca. 90.000 Patienten!
Holzschnitt des Gothenhauses in der Cäcilienallee 1 in Königsberg.

Als die Deutsche Burschenschaft unter nationalsozialistischen Druck geriet, trat Gothia 1934 daraus aus und schloss sich der Alten Deutschen Burschenschaft an, die aber 1936 auch unter dem Druck der Nazis erlosch. Das gleiche ereilte auch Gothia als Einzelburschenschaft, die sich mit Nichtmitgliedern zu einer so genannten Kameradschaft (Hermann von Salza) zusammenschließen musste, wenn sie weiter legal als Verein bestehen wollte. Nachdem man bis 1941 die Nichtmitglieder herausgeekelt hatte, also die Gothen wieder unter sich waren, gelang durch zum Studium abkommandierte und kriegsversehrte Studenten eine heimliche Wiederbegründung der Gothia bis 1944, als wegen Zerstörung und Frontnähe der Lehrbetrieb der Albertina eingestellt werden musste.

Die Neubegründung der Gothia nach der Vertreibung aus Königsberg erfolgte 1949 in einer Baracke auf dem ehemaligen Flugplatz in Göttingen, bis am 30. November 1957 das neugebaute Korporationshaus in der Ewaldstrasse 23 in Betrieb genommen werden konnte. Göttingen wurde auch gewählt, weil die Georgia-Augusta die Patenschaft für die verlorene Albertina übernommen hatte, die sie schandhafterweise unter dem Druck der linken `68er aufgab.

Der 1950 wiedergegründeten Deutschen Burschenschaft (DB) trat Gothia bei, verließ diese aber 1984, weil die DB immer stärker als rückwärts gewandt erschein.

Heutiger Sitz der Königsberger Burschenschaften

Königsberger Burschenschaften
Landkarte von StepMap
StepMap Königsberger Burschenschaften


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