Süddeutsches-Kartell

Eine Studentenverbindung an sechs Hochschulen

Bild der Wartburgfahne von 1816

Als nach den siegreichen Befreiungskriegen die Sieger in Wien 1814/15 zusammensaßen und die Restauration (Wiederherstellung der alten Herrschaftssysteme) beschlossen, gründeten die Studenten am 12.6.1815 in Jena die Urburschenschaft. Sie wandten sich mit ihrem Wahlspruch "Ehre, Freiheit, Vaterland" gegen die Beschlüsse des Wiener Kongresses.

Zeichnung des Wartburgfestes 1817

Am 18.10.1817, dem Jahrestag der Reformation (1517) und der Völkerschlacht bei Leipzig (1813), fand bei Eisenach das Wartburgfest statt. Die teilnehmenden 500 Studenten kamen aus ganz Deutschland. Sie verfassen gemeinsame Grundsätze und Beschlüsse; auch ein erster Dachverband aller Burschenschaften, die "Allgemeine Deutsche Burschenschaft", wurde gegründet.

Dem Beispiel der Urburschenschaft in Jena folgten die Erlanger Studenten am 1.12.1817. Sie gründeten die "Allgemeine Erlanger Burschenschaft" auf dem Wels (Lokalität am Burgberg in Erlangen). Nachdem am 23.3.1819 Carl Ludwig Sand den russischen Dichter und Staatsmann Kotzebue wegen dessen antiburschenschaftlichen Schriften ermordet hatte, wurden die Karlsbader Beschlüsse erlassen. Als Folge wurden sowohl die Universitäten als auch die Presse überwacht. Burschenschaften wurden verboten. Dennoch bestanden sie - wie überall - auch in Erlangen unter verschiedenen Tarnnamen fort. Die 20er Jahre sind gekennzeichnet von der Spaltung der Allgemeinen Erlanger Burschenschaft in einen germanistischen (politische Aktivitäten, patriotische Ideale, Mensur) und einen arministischen Zweig (Studium statt politischer Aktivitäten, religiöses Engagement). Nach mehreren gescheiterten Versuchen der Abspaltung konstituiert sich am 5.2.1827 die heutige Burschenschaft Germania unter dem Wahlspruch "Freiheit, Ehre, Vaterland". Die Germanen trugen weiße Mützen und ab 1830 auch die Farben schwarz-gold-rot. Sowohl der Burschentag in Nürnberg (1827) als auch der in Würzburg (1830) erkannten die "Germania" als einzige Erlanger Burschenschaft an.

Zeichnung des Hambacherfestes 1832

Am 27.5.1832 versammelten sich etwa 25.000 Teilnehmer zum "Hambacher Fest", die bis dahin größte Demonstration der deutsch-nationalen Einheitsbewegung. Es wird die Gründung einer deutschen Republik in einem konföderierten Europa gefordert, und die burschenschaftlichen Farben schwarz-rot-gold werden zu den Farben der nationalen Einheit.

Am 3.4.1833 kam es dann zum "Frankfurter Wachensturm". Etwa 50 Burschenschafter (darunter auch Erlanger Germanen) scheiterten an dem Versuch, den Startschuß für die Revolution zu geben. Als Folge begann eine erneute Welle von Verhaftungen, Verfolgungen, Unterdrückungen und Verboten. Die Germania hielt vorerst an den Zielen der Urburschenschaft fest. Am 26.4.1836 schlossen sich die letzten Germanen dem Corps Baruthia an. Nach neun Jahren unter schwierigsten Umständen löste sich die Germania unter dem politischen Druck auf.

Bild der Nationalversammlung von 1848

Im Frühjahr 1848 kam es in vielen deutschen Staaten zu Aufständen gegen die Monarchie. Träger dieser sog. Märzrevolution waren nicht nur Studenten und Gelehrte, sondern auch die breite Masse der Arbeiter und Bauern. Die regierenden Monarchen wichen dem Druck und machten demokratische Zugeständnisse. Schon am 18.5.1848 tagte das erste deutsche Nationalparlament in der Frankfurter Paulskirche. Auch vier Erlanger Germanen wurden in dieses erste deutsche Parlament gewählt.

Es wurden Rechtsgleichheit, Freiheit der Person, Meinungs- und Glaubensfreiheit, Vereins- und Versammlungsfreiheit und die Abschaffung der Hörigkeit und Untertänigkeit beschlossen. Die Revolution scheiterte zwar an der Uneinigkeit der Abgeordneten, dennoch blieben viele der Reformen erhalten.

Foto Germania Erlangen 1855

Die Errungenschaften der Revolution ermöglichten die Wiederbegründung der Burschenschaften. Am 12.12.1849 wurde unter der Führung von Reitmayr (letzter Sprecher der bestehenden Arminia – die heutige Burschenschaft der Bubenreuther) und dem Jenenser Teutonen Muther eine "Germania" gegründet, mit Zirkel, Band und Wahlspruch der Germania von 1827. Zwischen 1855 und 1860 mußte die Germania auf Drängen des Senats und des Ministeriums die burschenschaftlichen Farben ablegen. Während dieser Zeit trugen Germanen die Farben rot-weiß-grün mit pfirsichroten Mützen. 1861 gründete die Germania zusammen mit anderen Burschenschaften das Süddeutsche Kartell.

Zum 25. Stiftungsfest 1874 erreichte die neue Germania die Anerkennung als Fortführung der alten Germania mit der übergabe des Siegels durch "alte Germanen". 1888 bauten sich die Germanen als erste Verbindung in Erlangen ein eigenes Verbindungshaus in der Universitätsstraße. Dieses Haus wurde dann 1906/07 im Jugendstil umgebaut und erweitert. Nach dem Ersten Weltkrieg beteiligten sich viele Germanen an den Freicorps, die sich gegen die Räteregierungen und für die Interessen der Deutschen in Oberschlesien einsetzten. Nach der Machtergreifung Hitlers wurden die Burschenschaften, wie alle Korporationen, immer mehr unter Druck gesetzt. Das Dritte Reich duldete im Rahmen der Gleichschaltung keine anderen Verbindungen außer dem NS-Studentenbund. Obwohl am 3.11.1935 noch einstimmig der Fortbestand der Burschenschaft beschlossen wurde, mußte sich die Germania, um einer Enteignung zu entgehen, am 31.1.1936 auflösen. Wenig später zog die Kameradschaft "Wilhelm Gustloff" ins Germanenhaus ein, die fast ausschließlich aus ehemaligen Germanen bestand. Daher konnte das burschenschaftliche Bundesleben unter größten Vorsichtsmaßnahmen bis 1938 fortgeführt werden. Im Wintersemester 1943/44 nahmen einige Germanen das Aktivenleben wieder auf. Erst nach Einschleusung eines Spitzels wurde die Germania wieder aufgelöst. 1947 wurde die Wiederbegründung der Germania unter dem Tarnnamen "Amicitia" durch den ASTA und den Universitätssenat genehmigt. Die Germanen legten wieder das schwarz-gold-rote Band an und ab Sommer 1950 trugen sie auch ihre weißen Mützen wieder. Ab Wintersemester 1951/52 wurde auch offiziell der Name "Germania" gebraucht. 1954 zog die Germania wieder in ihr altes Haus ein, welches die amerikanischen Offiziere in einem katastrophalen Zustand hinterließen. 1963 wurde für die aktiven Studenten der Germania ein neues Wohnheim gebaut. 1971 trat die Germania aus dem burschenschaftlichen Dachverband, der Deutschen Burschenschaft (DB), aus, nachdem diese in ihrer neuen Verfassung die Verpflichtung zum Mensurfechten abgeschafft hatte. 1990 leisteten wir der Burschenschaft Jenensia Jena, die erste neugegründete Burschenschaft in der damaligen DDR, Unterstützung beim Mensurfechten. Dieser Kontakt mündete 1991 in einem Freundschaftsverhältnis. 2012 wurde unser neues Wohnheim, welches allen Studenten offen steht, an der Stelle unseres alten Gartens und Wohnheims eingeweiht und somit die Sicherheit für unser altes Haus geschaffen.

Auf ein ewiges "viveat, creceat et floreat Germania!" Prost!

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